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kermit

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Taucht ein in meine kleine Bücherwelt, lasst euch in Rezensionen, Neuigkeiten und kleinen Annekdoten treiben und verweilt doch ein bisschen bei gemütlichem Teichgeflüster. ...weil ein gutes Buch immer ein bisschen Paradies ist.

Amokspiel

Amokspiel - Sebastian Fitzek Schon lange bevor ich auch nur erahnen konnte, was dieses Buch noch alles für mich bereit halten sollte, hat der Autor es geschafft, mich voll und ganz in seinen Bann zu ziehen. Dazu hat es gar nicht viel gebraucht: stetige Perspektivwechsel zwischen Geiselnehmer und Verhandlungsführerin und der Schreibstil des Autors waren dermaßen gut gemacht und kombiniert, dass von Anfang an eine unbeschreibliche Sogwirkung entstanden ist. Herr Fitzek versteht es meisterlich, Atmosphäre zu schaffen: Mal beklemmend, mal düster; hoffnungsvoll oder endgültig- dieses Buch ist ein einziges Wechselbad der Gefühle, mit seinen überall mitschwingenden und doch nie greifbaren Andeutungen und Hinweisen. So muss ein Psychothriller geschrieben sein und nicht anders! Das Spannungslevel ist konstant hoch und es vergeht nahezu keine Seite, auf der Herr Fitzek keinen gezielten Angriff auf mein Nervenkostüm gestartet hat. Er hat es geschafft, meine Haut über knapp 400 Seiten kribbeln zu lassen und jeder Arzt hätte angesichts meines Blutdrucks die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen.Dabei fand ich die Hauptcharaktere zumindest anfangs nicht einmal sonderlich sympathisch, dafür aber umso interessanter. Und da ich keine literarischen Freundschaften schließen, sondern mich fesseln lassen wollte, war das für mich optimal. Ira Samin ist von Beruf Kriminalpsychologin und war bis zu einem tragischen Unglück erfolgreich als Verhandlungsführerin tätig. Als Leser begegnen wir ihr im Hier und jetzt jedoch als Wrack: Sie ist auf dem besten Weg, ihrem Leben ein Ende zu bereiten, als sie eher unfreiwillig rekrutiert wird und damit definitiv eine Heldin der anderen Art. Psychisch labil und alkoholabhängig, gleichzeitig aber auch sehr fähig; tough und doch zerbechlich. Solche Charaktere, bei denen sich Schwarz und Weiß vermischen, mag ich einfach wahnsinnig gerne! Auch der Gegenspieler Jan May lässt sich in keine Schublade packen. Er hatte alles: Geld, Beruf und Freundin. Doch angefangen mit Letzterem wird ihm eines nach dem anderen genommen. Jetzt ist er am Ende und der festen Überzeugung, dass er kein Opfer unglücklicher Umstände und eigenem Versagen ist. Seine Verlobte Leoni sei nicht, wie von den Behörden behauptet, bei einem Autounfall ums Leben gekommen und das will er beweisen, koste es was es wolle. Er ist die große Unbekannte der Buch-Gleichung: souverän und labil, menschlich und kaltblütig- die Sicht auf ihn bleibt verschwommen und ich konnte ihn einfach nicht einschätzen. Für meinen Geschmack waren das zwei sehr gelungene Hauptcharaktere, die sich ein psychisches Katz-und-Maus-Spiel auf ganz hohem Niveau liefern. Auch gibt es immer wieder Kurz- und Langauftritte der Nebencharaktere und auch die sind mit ganz viel Liebe zum Detail und noch mehr Kreativität gezeichnet. Einfach toll!Zu guter Letzt konnte mich dann auch noch die Handlung begeistern. Parallel verfolgt man zwei Handlungsstränge, die Geiselnahme selbst und die Nachforschungen bezüglich Leoni. Beides lebt von Ungewissheiten, von Zweifeln auf allen Seiten und einer Überraschung nach der anderen. Dazu will ich gar nicht viel verraten, aber mich konnte Herr Fitzek voll und ganz überzeugen. War der Ursprung allen Übels wirklich ein Autounfall? Oder lebt Leonie gar noch? Warum? Wieso? Weshalb? Ich habe es wirklich genossen, mit meinen Fragen keine Seite lang zur Ruhe gekommen zu sein. Ab einem gewissen Punkt habe ich zwar mit dem Ende gerechnet, aber der Weg dorthin war einfach toll gemacht. Stimmig und spannend, mit unerwarteten, aber nie unlogischen Entwicklungen.Fazit:Ein vollauf gelungenes psychologisches Katz-und-Maus-Spiel, das meinen Adrenalinspiegel konstant hoch gehalten hat. Fantastisch!