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kermit

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Taucht ein in meine kleine Bücherwelt, lasst euch in Rezensionen, Neuigkeiten und kleinen Annekdoten treiben und verweilt doch ein bisschen bei gemütlichem Teichgeflüster. ...weil ein gutes Buch immer ein bisschen Paradies ist.

Sei lieb und büße

Sei lieb und büße - Janet   Clark Ich bin von der ersten Seite an abgetaucht, denn der Anfang von Sinas Geschichte ist gleichzeitig das offenbar tragische Ende der Geschichte einer zu diesem Zeitpunkt noch unbekannten Schreiberin. "Ich werde mit verzerrtem Gesicht sterben. (...) Das Spiel ist aus. Die Maus ist tot. Die Katze hat gewonnen." Diesem reißerischen wer?-was?-wieso?-Auftakt stehen die nachfolgenden Kapitel in nichts nach und mir wurde nie langweilig, weil die Autorin die Sichtweisen dreier völlig verschiedener Charaktere sehr geschickt verknüpft: alte Tagebucheinträge einer eher naiven und - anfangs - fröhlichen Schreiberin; die Sicht der "bösen Katze" als Icherzählerin und die der eigentlichen Hauptperson Sina. Der ist man als Leser so immer ein paar Schritte voraus und das macht das Lesen unheimlich spannend und nervenaufreibend. Auch deshalb, weil alle Informationen rein subjektiv sind und man als Leser früh lernt, auf gar keinen Fall jemandem zu trauen. Was lässt sich wie einordnen? Was ist nur eine geniale Finte der Autorin? Frau Clark ließ mir mit ihrem kurzweiligen, greifbaren Schreibstil und dem gekonnten Auslegen falscher Fährten gar keine andere Wahl, als Detektiv zu spielen, mitzufühlen und mitzuleiden und ich liebe es, wenn Bücher so einen Sog entwickeln.Die Charaktere wirken sehr echt und man spürt als Leser deutlich, dass die Autorin hier nicht nur leere Darsteller-Hüllen schaffen wollte, sondern Menschen. Bestes Beispiel: Sina. Manch einer wird sie naiv nennen oder blauäugig. Aber sie ist siebzehn, sie hat nicht die leichtesten familiären Verhältnisse und ist jetzt auch noch "die Neue". Angesichts dieses Hintergrunds war es mir sehr sympathisch, wie sie versucht zurechtzukommen, Anschluss zu finden und sich gleichzeitig um ihren kleinen Bruder zu kümmern. Mindestens so interessant war aber auch der Einblick in die Gedankenwelt der zunächst grundlos bösartig erscheinenden Gegenspielerin. Insgesamt werden hier wie auch im echten Leben verschiedenen Lesern verschiedene Personen sympathisch sein. Aber unabhängig davon trägt jeder Protagonist seinen Windstoß zum Schmetterlingseffekt bei und diese Dynamik hat Frau Clark sehr glaubhaft dargestellt. Anderswo folgen Charaktere dem Geschehen, hier sind sie ein Stück weit selbst die Handlung und das ist großartig gemacht, weil es einfach mehr ist, als der typische Jugendroman zu bieten hat.Der Plot selbst hat sich schnell in eine Richtung entwickelt, mit der ich nicht gerechnet habe. Riks anfänglicher Unfall lässt den Leser natürlich vermuten, dass die Katze noch in Kranbach lebt und dann zieht Sina mit unbedachten Äußerungen ihre Aufmerksamkeit auf sich: Die Jagd ist wieder eröffnet. Was jetzt? Direkte Drohungen und Angriffe? Das war gestern, Mobbing2.0 ist heute und genau dieses Cybermobbing - wenn Facebook & Co. zur Waffe werden - macht Frau Clark zum Thema. Auch um die psychische Krankheit "bipolare Störung" geht es, um gefährliche Eitelkeit, hinterhältige Manipulation und vieles mehr. Wer mir jetzt nicht glaubt, dass sich all das auch ohne abgehackte Gliedmaßen und literweise Blut zu einem wahnsinnig spannenden Thriller verknüpfen lässt, der kennt Janet Clark noch nicht und sollte das dringend ändern. Denn mit diesen ernsten Themen hat sich die Autorin nicht nur intensiv beschäftigt, sondern sie auch in eine einwandfrei durchdachte und bis zum Ende stimmige Geschichte eingebettet, die ich nicht umsonst auch unter "Psychothriller" eingestellt habe. Blümchen sind hier vielleicht Cover, aber definitiv kein Programm.Fazit: Ein Buch, das ernste aktuelle Themen wie Mobbing und psychische Krankheiten glaubhaft mit einem durchweg spannenden Plot verknüpft und auch erfahrene erwachsene Thriller-Leser auf Glatteis führen wird. Uneingeschränkt empfehlenswert!