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kermit

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Taucht ein in meine kleine Bücherwelt, lasst euch in Rezensionen, Neuigkeiten und kleinen Annekdoten treiben und verweilt doch ein bisschen bei gemütlichem Teichgeflüster. ...weil ein gutes Buch immer ein bisschen Paradies ist.

[BuchBlubb] ► Auracle (Gina Rosati)

Auracle: Ein Mädchen, zwei Seelen, eine Liebe - Gina Rosati

Inhalt:
Undefinierbare Gefühle für den eigentlich besten Freund, Probleme mit den Eltern und noch keine Ahnung, wohin die Zukunft führen soll: Die sechzehnjährige Anna Rogan ist ein Teenager, wie viele andere auch. Abgesehen davon, dass sie sich aus ihrem Körper herausprojizieren kann und ihr in astraler Form kein noch so entlegenes Reiseziel versperrt bleibt. Doch als Annas Klassenkameradin Taylor ums Leben kommt, wird aus dem außergewöhnlichen Zeitvertreib bitterer Ernst. Denn deren Geist nutzt die Gunst der Stunde und besetzt nicht nur Annas Körper, sondern übernimmt gleich ihr ganzes Leben. Sie selbst ist in einer anderen Dimension gefangen und kann sich nur ihrem Freund aus Kindertagen bemerkbar machen. Doch auch Taylor hat es auf Rei abgesehen...

 

Meine Meinung:

So sehr ich mich auch auf das Buch mit dem Kernthema "Astralprojektion" gefreut habe, ich konnte leider nie so richtig darin abtauchen. Kennt ihr Glaslabyrinthe? Die nächste Etappe ist in Sicht, man glaubt nur noch um eine Ecke biegen zu müssen und schwupps, prallt man gegen die nächste unsichtbare Wand. So ähnlich ging es mir hier. Ich wurde das Gefühl einfach nicht los, dass da so viel mehr unter der Oberfläche stecken könnte, als mich die Autorin erreichen ließ und ich immer nur durch eine Glasscheibe einen Blick aufs Innere erhaschen darf, ohne mit dem Inhalt je in Berührung zu kommen. Wem es reicht, eine Geschichte einfach erzählt zu bekommen, der dürfte hier vielleicht glücklicher werden. Mir sind aber Atmosphäre und Lesesog sehr wichtig und keines von beidem hat Frau Rosatis Sprache für mich bereitgehalten. Ihre Wortwahl ist eher einfach gehalten und lässt sich zwar sehr schnell und flüssig lesen, war mir aber zu anspruchslos. Ich möchte nicht erklärt bekommen, dass Person uvw gerade Emotion xyz hat, ich möchte Gefühle und ihre Wirkung spüren können.

Die Charaktere werden von "Auracle" (einmalig genutzter Chat-Nickname, dessen Bedeutung sich mir bis Ende nicht erschlossen hat) Anna angeführt, der seit einem Erdnuss-Allergieschock Astralreisen als ihr persönliches Abenteuerland zur Verfügung stehen: Sie kann ihren Körper als eine Art Energie verlassen und Naturkatastrophen oder das angesagteste Konzert zum Nulltarif sind für sie nur einen Lidschlag entfernt. Davon abgesehen ist sie aber einfach ein Teenager mit mehr und weniger typischen Problemen und mir hat es gut gefallen, dass sie kein dauerblinkendes Supergirl ist. Anna ist das nette Mädchen von nebenan, aber leider auch blind für jede Gefahr-, bis ihr eines Tages der Rückweg in ihren Körper versperrt bleibt. An diesem Punkt fingen dann leider auch meine Probleme mit ihr an, weil mir ihr Umgang mit dieser Situation viel zu sorglos war. "Hm, ich sollte versuchen meinen Körper zurückzubekommen... Aber VERDAMMT ist Rei heiß! Lass uns doch noch ein Weilchen gucken!" Rei Elis, das ist ihr halbjapanischer Freund aus Kindergartenzeiten und die personifizierte Perfektion, dessen größte "Verfehlung" darin besteht, eigene Berufswünsche zu haben. Er ist immer nett, immer verständnisvoll, immer Schwiegermamas Traum. Das ist zwar ganz nett und bietet Anhimmel-Potenzial, aber mehr auch nicht. Auch die Nebencharaktere werden in die klassischen Schubladen "Bester Freund", "Zicken-Queen" etc. gesteckt und haben dort auch gefälligst zu bleiben.

Die Handlung hat das gleiche Problem. Denn eigentlich ist "Auracle" eine wirklich schöne Wohlfühlgeschichte mit ruhiger und zur Abwechslung auch mal sehr glaubwürdiger Romantik und gelegentlichen Spannungsmomenten. Aber kennt man die ersten 20 Seiten, dann kann man sich den Rest leider selbst erzählen. Überraschungen? Fehlanzeige. Der eigentliche Plot war mir einfach zu wässrig. Dabei hatte die Idee so viel Potenzial! Aber Annas größte Sorge bleibt Taylors neueste Tattoo-Attacke auf ihren Körper, die Probleme mit ihren Eltern werden bestenfalls gestreift und von Werten und Moral will ich gar nicht erst anfangen. Die Auflösung lässt sich früh erraten und weder der Weg dorthin noch das schlussendliche Finale konnten mich überzeugen. Wer sich mit Gina Rosatis Werk einfach mal wieder in einer gemütlichen Teenie-Romanze treiben lassen möchte, der möge beherzt zugreifen. Mehr bietet die Geschichte aber inhaltlich nicht. Ich für meinen Teil hatte mir von der Umsetzung des bisher ja noch recht unverbrauchten Themas "Astralreisen" und auch von den Charakteren mehr erhofft.

Fazit:
Für jugendliche Leser eine schöne Geschichte zum Schwärmen und für ältere eine zum Abschalten. Aber akribischen Lesern mit Anspruch an Charaktere und Plot würde ich "Auracle" nicht empfehlen.