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kermit

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Taucht ein in meine kleine Bücherwelt, lasst euch in Rezensionen, Neuigkeiten und kleinen Annekdoten treiben und verweilt doch ein bisschen bei gemütlichem Teichgeflüster. ...weil ein gutes Buch immer ein bisschen Paradies ist.

Gnadenlose Jagd

Gnadenlose Jagd - Iris Johansen, Norbert Möllemann, Charlotte Breuer Was mir bei diesem Buch zunächst sehr positiv aufgefallen ist, ist der Schreibstil der Autorin. Iris Johansen versteht es, ihre Art zu Schreiben der jeweiligen Situation anzupassen: mal spannend, actionreich und fast schon reißerisch, dann wieder gefühlvoll und detailiert. In welcher Lage sich ihre Helden auch befinden, die Schreibweise passt wunderbar dazu und hat dafür gesorgt, dass sie Seiten regelrecht an mir vorbeigerauscht sind. Auch die Handlung an sich hat mir größtenteils sehr gut gefallen. Zwar habe ich leider vergeblich auf die ganz großen Überraschungen gewartet, aber alles in allem bietet "Gnadenlose Jagd" eine durchaus spannende und interessante Geschichte. Dabei spielen neben Grace zwei Männer entscheidende Rollen. Auf der einen Seite Marvot: er spürt die untergetauchte Ex-Agentin auf und nutzt (Überraschung, Überraschung) ihren (natürlich einzigen) großen Schwachpunkt Frankie dazu, sie sich gefügig zu machen. Sie soll ihm jetzt das verschaffen, das ihm seit acht Jahren verwehrt blieb. Was das genau ist, darüber wird der Leser lange im Unklaren gelassen. Es werden zwar einige Anhaltspunkte geliefert, aber die Auflösung wusste mich dann doch zu überraschen. Klar ist nur, dass auch Jake Kilmer daran alles andere als uninteressiert ist. Graces ehemaliger Vorgesetzter war vor acht Jahren bereits in die Vorfälle verstrickt und es bleibt fraglich, ob sie ihm dieses Mal vertrauen kann. Denn auch wenn er ihr seine Hilfe anbietet- er scheint auch seine ganz eigenen Absichten zu verfolgen. So ist man als Leser Zeuge eines spannenden, unterhaltsamen Duells dieser beiden Männer, in das Grace mehr und mehr verstrickt wird. Nur vom Ende war ich etwas enttäuscht. Zwar hat mir die Auflösung an sich gut gefallen, aber der große "Wow-Effekt"-Knall blieb leider aus. So war es eine angenehme, recht spannende Geschichte- nicht weniger, aber eben auch nicht mehr. Gleiches gilt für die Charaktere. Sie waren mir zwar durchweg sympathisch (oder eben unsympathisch, je nachdem was gefordert war), blieben mir aber zu stereotyp. Da ist Grace, die allein erziehende (Über-)Mutter und Ex-Agentin. Zwar sympathisch und herzlich, aber neben dem Muttertier mit ausgeprägtem Beschützerinstinkt blieb mir von ihr leider nur wenig in Erinnerung. Auch Jake, Marvot und Nebencharaktere sind zwar gut gezeichnet, verbleiben aber größtenteils in ihren (teilweise sehr vorhersehbaren) Rollen. Das mag einen nun mehr oder weniger stören. Was mich aber mit zunehmender Seitenzahl wirklich geärgert hat, war Frankie. Hat sie anfangs noch Witz und Fröhlichkeit in die Geschichte gebracht, kam für mich leider sehr bald der Punkt, an dem sie nur noch eines getan hat: genervt. Ihr Verhalten ist voller Widersprüche und passt definitiv nicht zu dem einer Achtjährigen, hochbegabt oder nicht. Was zusätzliche Spannung einbringen sollte, hat mich irgendwann nur noch aggressiv gemacht. Mit diesem Charakter hat sich die Autorin meiner Meinung nach ins eigene Fleisch geschnitten, hier wäre weniger mehr gewesen.Fazit:So bleibt "Gnadenlose Jagd" alles in allem guter Durchschnitt. Das Richtige für einen gemütlichen Lesenachmittag, aber nichts, das mir länger (positiv) im Gedächtnis bleiben wird.