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kermit

Seitenteich

Taucht ein in meine kleine Bücherwelt, lasst euch in Rezensionen, Neuigkeiten und kleinen Annekdoten treiben und verweilt doch ein bisschen bei gemütlichem Teichgeflüster. ...weil ein gutes Buch immer ein bisschen Paradies ist.

Die Tribute von Panem 3. Flammender Zorn

Die Tribute von Panem: Flammender Zorn (Die Tribute von Panem, #3) - Suzanne  Collins, Hanna Hörl, Peter Klöss, Sylke Hachmeister Selten bin ich an ein Buch mit derart gemischten Gefühlen herangegangen. Auf der einen Seite war ich nach dem bösen Cliffhanger am Ende von "Gefährliche Liebe" zum Zerreißen gespannt. Aber angesichts einiger enttäuschter Rezensionen hatte ich auch ein kleines bisschen Angst davor zu erfahren, wie es mit Katniss und Co. weitergeht. Und wie ich das Buch begonnen habe, so beende ich es auch mit gemischten Gefühlen.Zunächst erfahren wir, dass es ihn wirklich noch gibt: Disktrikt 13, der mittlerweile gleichermaßen Flüchtlinge, wie Rebellen beherbergt. Und obwohl ihre Familie und einige Bewohner dank Gale das Massaker in Distrikt 12 überlebt haben, lernen wir Distrikt 13 durch die Augen einer psychisch schwer angeschlagenen Katniss kennen. Sie verbringt ihre Zeit damit, den den Bewohnern fest vorgegebenen Tagesplan zu ignorieren und sich mit Selbstvorwürfen wegen Peeta und ihrem Volk zu quälen. Erst als sie Peeta im Fernsehen des Kapitols äußerlich unversehrt sieht, wacht sie aus ihrer Starre auf. Doch um das Versprechen, ihn zu retten, doch noch halten zu können, muss sie viel aufs Spiel setzen: um ihm Straffreiheit seitens der Rebellen zuzusichern, willigt sie ein, als "Spotttölpel" endlich aktiv das Gesicht der Rebellion zu werden- koste es, was es wolle. Und dieser Teil, in dem Katniss die Distrikte davon überzeugen soll, sich der Rebellion anzuschließen, hat mir auch noch sehr gut gefallen. Zwar gab es insgesamt weniger Action als in den Vorgängern und meine Nackenhaare waren nicht dauerhaft aufgestellt. Aber wie Katniss gerade in einigen vermeintlich ungefährlichen Außeneinsätzen die Schattenseiten des Kampfes gegen die Unterdrückung kennenlernen muss und immer wieder mit der Sorge um ihre Liebsten zu kämpfen hat, das war sehr gut beschrieben. Es gab einige Szenen, die bei mir für Gänsehaut gesorgt haben und die Entwicklung, die Katniss (nicht immer zum Positiven) durchmacht, war für mich sehr gut nachvollziehbar. Unermüdlich soll sie das Feuer der Rebellion schüren- dabei ist von dem Mädchen, das einst in Flammen stand, meist nur noch ein Flackern übrig. Auch an Gale geht der Kampf gegen das Kapitol nicht spurlos vorbei und überraschenderweise mochte ich ihn richtig gerne, als er einen Teil seiner "Strahlender Ritter"-Rüstung abgelegt hat. Auch die neu eingeführten Figuren aus Distrikt 13 waren mit kleinen Eigenarten gut gezeichnet, wurden mir teilweise jedoch etwas zu hastig und in zu großer Anzahl präsentiert. Dem Vergleich zu den Charakteren, die wir bereits kennen, halten sie leider nicht stand: Prim, Haymitch, Finnick und die restlichen überlebenden Tribute sorgen immer wieder für schöne, witzige oder auch tiefgründige Szenen und waren für mich die eigentlichen Stars dieses Buches. Soweit also alles gut.Aber spätestens ab dem Wiedersehen mit Peeta, das so ganz anders verlaufen ist, als ich mir das ausgemalt hatte, wurde das leider anders. Denn ab hier hat sich die Geschichte leider in eine Richtung entwickelt, die ich nicht unbedingt "schlecht" nennen will, die in ihrer Umsetzung für mich aber jeden Zauber verloren hat. Das lag nicht nur daran, dass mir gefühlvolle Momente mit Katniss&(Gale)/Peeta, wie es sie in den Vorgängern immer wieder gab, gefehlt haben. Auch an Spannung hat die Handlung einiges vermissen lassen und was mich wirklich gestört hat, war die explizite Darstellung von Brutalität. Band 1&2 waren schon teilweise nicht zimperlich, aber dort hatten Momente wie Rues Tod noch "Stil" und (wenn auch unendlich traurige) Atmosphäre. Hier sind grausame Szenen oder der Tod von Charakteren nicht mehr stimmungsvoll beschrieben, sondern zu häufig und zu beiläufig, um ein wirkliches Mitfühlen zu ermöglichen. Manch einer mag sagen, dass genau das eben Krieg ist und hat damit sicher nicht Unrecht. Aber dann möge Frau Collins bitte eine Reihe zu diesem Thema schreiben, die in ihrem Stil einer Linie treu bleibt. Und nicht im Finale eine 180°-Wendung einlegt, um möglichst realistisch zu sein.Rein inhaltlich ist "Flammender Zorn" meiner Meinung nach kein schlechter Abschluss. Frau Collins hat eine bedrohliche, grausame und doch mögliche Zukunft schonungslos dargestellt und wusste mehr als einmal zu überraschen. Trotzdem: an dieser Trilogie hatten mich gerade die Atmosphäre, der unheimliche Sog und die gefühlvollen Gänsehaut-Momente begeistert. Und all das hat mir hier leider gefehlt.Fazit:Die Autorin konzentriert sich in diesem Band mit dem Kampf gegen das Kapitol ganz auf den Inhalt und darunter leidet leider das einzigartige Flair, das die Vorgänger für mich ausgemacht hat. Inhaltlich ein (größtenteils und in Erinnerung an die großartigen Bände 1&2) würdiger Abschluss, aber von Zauber und Spannung leider fast keine Spur mehr.